PROFIL

Das Weiterbildungsprogramm „Strategische Kompetenz für Frauen in Aufsichtsräten“ ist eine modular aufgebaute berufsbegleitende Qualifizierungsreihe für Frauen, die bereits in einem Aufsichtsgremium im privaten oder öffentlichen Sektor tätig sind oder die ein solches Mandat übernehmen wollen. Gute Argumente für dieses spezielle Angebot gibt es ausrei­chend: Eine möglichst vielfältige Zusammensetzung der Auf­sichtsräte gilt neben der Beschränkung der Mandate und der richtigen Qualifikation der Mandatsträger als Baustein für eine möglichst effektive Arbeit.

In Deutschland besteht allerdings noch in allen Bereichen erheblicher Nachholbedarf. Trotz freiwilliger Selbstverpflichtung und zahlreicher Maßnahmen zur Frauenförderung liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen (DAX, MDX, SDAX und TecDAX) bei knapp 14%. Bleiben die Arbeitnehmervertreterinnen unberücksichtigt, sinkt der Frauenanteil auf etwas über 5%, d.h. auf Anteilseignerseite sind die Frauen noch deutlicher unterrepräsentiert. Das oft gehörte Argument, es gäbe zu wenige für diese Funktionen qualifizierte Frauen, soll mit unserem maßgeschneiderten Weiterbildungsprogramm für Frauen in Aufsichtsräten noch weiter entkräftet werden.

Damit soll keinesfalls signalisiert werden, dass nur Frauen eine entsprechende Qualifizierung benötigen. Die Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Deutscher Corporate Governance Kodex) hat 2010 – auch vor dem Hintergrund vieler Bilanz- und Korruptionsskandale – eine Empfehlung zur Weiterbildung für alle ausgesprochen: es sei „grundsätzlich erforderlich, die Qualifikation von Aufsichtsräten allgemein zu erhöhen“. Kommissionschef Klaus-Peter Müller forderte daher eine Ausweitung der Weiterbildungsmaßnahmen und zwar sowohl für amtierende Aufsichtsratsmitglieder wie für zukünftige KandidatInnen.

Ohnehin sind die KontrolleurInnen gesetzlich verpflichtet, sich eigenverantwortlich entsprechend der Anforderung ihres Mandats weiterzubilden. Mit einer Vielzahl neuer Regelungen im Bereich der Gesetzgebung und des soft law (gestiegene Leistungsanforderungen und Haftungsrisiken, Anforderungen an professionelle Qualifikation und Nominierung, Einrichtung von Ausschüssen) wurde der rechtliche Rahmen erheblich verschärft. Aufsichtsräte werden beispielsweise für eine nachhaltige Vorstandsvergütung verantwortlich gemacht und Mitglieder von Prüfungsausschüssen müssen Finanzexpertise nachweisen. Zudem findet in den Aufsichtsräten zurzeit ein Generationenwechsel statt. Damit verbunden wächst auch das Bewusstsein, dass ein Aufsichtsratsmandat kein Ehrenamt, sondern ein Beruf ist, auf den man sich entsprechend vorbereiten muss. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass es inzwischen zahlreiche Qualifizierungsangebote für angehende sowie gestandene KontrolleurInnen gibt. Frauen werden von den Anbietern aber bisher meist nicht als Zielgruppe betrachtet – diese (Markt-)Lücke wollen wir schließen.

Das akademische Programm beinhaltet insgesamt sechs Module (á 12 Stunden), die verteilt über ein Jahr jeweils Freitagnachmittag und am Samstag ganztägig stattfinden und durch praxisnahe Abendveranstaltungen am Freitag in einem informelleren Rahmen abgerundet werden. Die Kamingespräche mit versierten Aufsichts- und BeirätInnen aus unterschiedlichen Organisationen ermöglichen Einblicke in den Alltag von Kontrollgremien und bieten damit viele Gelegenheiten einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und von deren praktischen Erfahrungen zu profitieren.

In dieser Qualifizierungsreihe werden in Ergänzung und Erweiterung schon bestehender Angebote fundierte theoretische und praxisbezogene Inhalte für die Tätigkeit in einem Aufsichtsgre­mium vermittelt. Während im Rahmen der Module gemeinsam die notwendigen Basis- und Schlüsselkompetenzen erarbeitet werden, dient ein flankierendes optionales Coaching der Entwicklung einer jeweils maßgeschneiderten individuellen Strategie zur Erreichung der persönlichen Ziele.